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Worpswede, nicht nur für Kunstkenner!

Unser Ausflug nach Worpswede.

Interessiert ihr euch für Kunst? Ja, nein, vielleicht ein bisschen? Ist eigentlich egal. Wir sind jetzt auch nicht die Kunstkenner und unsere Kinder schon gar nicht. Trotzdem waren wir von dem hübschen Dorf Worpswede und vor allem von seiner Geschichte mehr als angetan. 

Das fängt ja gut an.

Am Pfingstmontag, als wir uns Worpswede (hier kommt ihr auf die Homepage) anschauen wollten, kamen wir auf unserem Weg auch an der Worpsweder Mühle vorbei. Super, das an diesem Tag „Deutscher Mühlentag“ war. So konnten wir uns dieses Gebäude auch von innen  anschauen. Diese Mühle hat sonst nur am 1. und 3. Sonntag im Monat geöffnet. Es gab frisch gebackenen Kuchen und Kaffee. So fing unser Ausflug schon mal gut an.

Windmuehle in Worpswede

Die Worpsweder Windmühle.

Was für ein Glück. Hatten wir doch von unserem Zeltplatz öfter am Tag dieses Tuten gehört, entdeckten wir auf unserem Weg nach Worpswede das Objekt, welches diese Töne von sich gab. Der „Moorexpress“ verkehrt zwischen Bremen und Stade. Mit dem Schienenbus aus den 50iger Jahren durch das Teufelsmoor.

Der Moorexpress in Worpswede.

Der „Moorexpress“ setzt sich mit seiner roten Farbe gut in Szene.

Wie mein Interesse an Worpswede und seinen Künstlern begann.

Ich hatte ja schon in dem Beitrag “ Vorfreude, wo zelten wir als erstes? „ geschrieben, dass ich mal in Bremen gewohnt habe und man dort unweigerlich etwas von Worpswede und seinen damaligen Künstlern etwas mitbekommt, sei es im Museum „Haus Riensberg“, in dem sich eine ganze Zimmereinrichtung von Vogeler  befindet oder natürlich das Modersohn Museum in der Böttgerstraße in Bremen.

Ich muß zugeben, dass ich erst über einen gewissen Zeitraum die Werke von Paula Modersohn-Becker lieben lernte. Anfangs fand ich die Bilder, oder wie sie gemalt hat sehr gewöhnungsbedürftig.

Nach einem Besuch  der Ausstellung “ Paula in Paris“ 2007, zum 100. Todestag, in der Bremer Kunsthalle, wandelte sich meine Meinung über diese Künstlerin, und ich begann mich ganz intensiv mit diesen Worpsweder Künstlern zu beschäftigen und einiges zu lesen,  besonders natürlich über sie. Seitdem mag ich die Bilder von Paula Modersohn-Becker sehr.

So war es mein großer Wunsch mit dem Modersohn-Haus und Museum unsere Worpswede- Tour zu beginnen.

Das Modersohn-Haus.

Schräg gegenüber vom Modersohn-Haus gibt es einen offiziellen Parkplatz, auf dem wir geparkt haben. Davor biegt man auch in die Bergstraße, in der es noch einen weiteren sehr großen Besucherparkplatz gibt.

Modersohn-Haus-in-Worpswede.

Hier wohnten Paula und Otto Modersohn.

Von draußen kann man im oberen Fenster Paula und Otto stehen sehen, wie sie nach draußen schauen. Ich finde das Haus wunderschön. Es hat etwas skandinavisches, findet ihr nicht auch? Leider geht es an dieser Hembergstraße etwas unter, wie ich finde. Innen und in einem angebautem Gebäude befindet sich das Museum. Viele Bilder von der 1. Generation der Worpsweder Maler sind dort ausgestellt.

Es war mit unseren Kinder gut machbar, diese Ausstellung zu besuchen. Ich hatte ihnen schon etwas über diese Künstler erzählt, so dass sie einen Bezug zu den Bildern hatten und etwas damit anfangen konnten. Die Jüngste nutzte die weiten Räume zum hin und her rennen. Es war nicht viel los und so hat es andere auch nicht besonders gestört. Unsere Jungs fanden ein Gemälde wegen seiner enormen Größe ganz faszinierend. Mein Mann fand es auch sehr spannend. Ihn interessiert das Bild, da dort zwei Frauen eine Egge über den Acker zogen, geführt von einem Mann. Das gefiel ihm irgendwie.

Im ursprünglichen Haus konnte man ein paar Möbelstücke sehen, aber es gibt dort keine eingerichteten Räume, wie man es vielleicht erwarten würde.

Wer sich für Paula Modersohn-Becker interessiert, kann sich ja hier einen kleinen Überblick über ihr Leben verschaffen.

Die Bergstraße.

Für uns ging es weiter auf der Bergstraße. Hier befinden sich einige interessante Gebäude. Erst später beim Nachlesen in unserem Buch hatte ich den Eindruck mindestens jedes zweite Haus hatte etwas mit den damaligen Künstlern zu tun.

Bergstraße in Worpswede.

Die Bergstraße. Eine verkehrsberuhigte Straße zum flanieren.

In dieser Straße gibt es nach der Hälfte der Strecke eine Gästeinformation im Philine-Vogler Haus. ( Philine war Heinrich Vogelers Schwägerin).

Auf dem Weg dorthin fiel mir ein ganz zuckersüßes Haus auf, so ganz in rosa. Es war die Lichtenford-Villa ( Das Künstlerpaar Lichtenford waren die 2. Eigentümer dieses Hauses).

Aus dem Buch von Jürgen Teumer “ Spaziergänge in Worpswede“ habe ich auch erfahren, dass Gottfried Benn einst Gast in diesem Hause war.

Die Lichtenford-Villa-in-Worpswede.

Die Lichtenford-Villa. Heute praktiziert hier ein Heilpraktiker.

Viele Hausfassaden waren schön herausgeputzt. Dieses blaue Haus stach noch zusätzlich etwas heraus.

Blaues Haus in Worpswede.

Blau schien auch die Lieblingsfarbe des Pärchens zu sein.

Unsere Kinder erschnüffelten wieder mal den einzigen Bonbonladen in der Straße und schliffen uns in dort hinein. Erinnerte mich an die Bonbonläden Grännas in Schweden.

Mit einem Gläschen einer hausgemachten Bonbonmischung verließen wir mit glücklichen Kindern den Laden.

Einen ersten kleinen Vorgeschmack auf Heinrich Vogeler, bekamen wir mit der jetzt genannten Vogeler Villa. Dieses Haus hatte Vogeler entworfen. Dieser Künstler war ja der Tausendsassa unter den damaligen Künstlern. Mich hat sein Schaffen und sein soziales Engagement enorm beeindruckt. Was er nicht alles gemacht hat.  Ich war schon ganz ungeduldig. Der Barkenhoff, das Haus der Vogelers, stand  ganz oben auf unserer Besichtigungsliste. Es gibt eine recht informative Homepage der Heinrich-Vogeler-Stiftung, um mehr über diesen Künstler zu erfahren.

Vogeler-Villa-in-Worpswede.

Vogeler-Villa, jetzt eine Seniorenresidenz.

Das Hoetger Ensemble.

Auf der Suche nach dem Barkenhoff kamen wir zum Hoetger Ensemble. Bernhard Hoetger ist ebenfalls ein Künstler der damaligen Zeit. Er entwarf unter anderem das Kaffee Worpswede auch genannt „Das verrückte Kaffee“.

Kaffee Worpswede.

Für damalige Verhältnisse wahrscheinlich noch ein wenig verrückter als heute. Das Kaffee Worpswede.

Das wichtigere Gebäude ist wohl die “ Große Kunstschau Worpswede“. Wir waren nicht im Inneren. Wir wollten es uns mit unseren Kindern nicht verscherzen. Sie machen ja ganz viel mit und können sich auch für vieles begeistern, aber eine Bilderausstellung am Tag reicht dann auch.

Man sieht ja unten auf dem Bild das Plakat, welches für eine Sonderausstellung wirbt “ Paulas Worpswede „. Ich finde das hört sich ganz spannend an, und vielleicht werden wir diese zu gegebener Zeit besuchen.

Große Kunstschau Worpswede.

Große Kunstschau Worpswede. Hier kann man sich die wichtigsten Gemälde der 1. Künstlergeneration anschauen.

Auf dem Weg zum Barkenhoff

Immer noch auf der Suche nach dem Barkenhoff (übersetzt: Birkenhof) der mich doch mehr interessierte, fanden wir vor der “ Großen Kunstschau “ einen Wegweiser nach links und gingen in die aufgezeigte Richtung.

Wir kamen durch einen Park und waren unsicher, ob wir wirklich richtig sind. Von weiteren Hinweisschildern keine Spur. Um nicht in diesem Park weiter herum zu irren, wie ihr auf dem unteren Bild seht, hat unser Töchterchen schlapp gemacht, zückten wir unser Handy und gaben unser Ziel ein. Die Richtung stimmte und wir sahen auch schon durch die Bäume weiße Hauswände schimmern.

Weg durch einen Park zum Barkenhoff in Worpswede.

Von den Hoetger-Gebäuden ging es für uns durch ein Park Richtung Barkenhoff.

Der Barkenhoff.

Und da war er, der berühmte Barkenhoff. Ich kannte die Fassade mit dem Haupteingang von einem alten Foto. Auf diesem sah man neben Paula und Otto Modersohn noch weitere Personen sitzen. Diese Fassade schien sich wirklich kaum verändert zu haben.

Barkenhoff in Worpswede.

Der Barkenhoff. Einstieges zu Hause der Vogelers.

Wir erreichten schnell die Terrasse mit Blick auf den angelegten Garten. Die Terrasse wurde von Vogeler mit den damaligen Künstler, die sich hier gerne trafen in dem bekannten Gemälde “ Das Konzert“ abgebildet. Daher war es mir auch bekannt.

Garten im Barkenhoff in Worpswede.

Der Garten war bei diesem Wetter natürlich doppelt schön.

Ich hätte mich auf eine Bank setzen können, und ganz, ganz lange diesen Anblick genießen können, wenn meine Kinder nicht die Wege als Tobestrecke benutzt hätten und wir wußten, dass es Zeit war mit den Kindern wieder zu unserem Zeltplatz zu fahren, da sie ja noch spielen wollten.

Am nächsten, unseren Abreisetag vom Zeltplatz kehrten wir zum Barkenhoff noch einmal zurück, um uns das Museum anzusehen. Viele Bilder, Informationen über das Leben und Werken dieses faszinierenden und vielseitigen Künstlers Heinrich Vogeler. Am informativsten war eine kleine Filmvorführung in der Veranda. Diese gab einen guten Überblick über Vogeler und den Barkenhoff.

Was uns  besonders gefiel, war die Kinderfreundlichkeit der Museumsdame. Diese ging gleich auf unsere Kinder zu und zeigte ihnen die Kinder-Malecke und ein Film über das letzte Projekt mit Kindern auf diesem Barkenhoff. Während man ja manchmal in Museen, gerade in Begleitung von Kinder mit verkniffenen Mündern empfangen wird, fühlten wir uns hier so richtig willkommen.

Blich auf das Haus vom Garten des Barkenhoffs.

Hier der Blick auf die berühmte Terrasse, welche in dem Gemälde „Das Konzert“ von Heinrich von Vogeler gemalt wurde.

Der Buchenhof.

Gleich neben dem Barkenhoff liegt der Buchenhof. Dies war das zu Hause von Hans am Ende. Ein wohl stillerer Künstler der damaligen Zeit. Heute befindet sich dort ein Hotel, welches von außen sehr vielversprechend aussieht und auf der Homepage nur noch bestätigt wird. Das Café macht für Gruppen ab 10 Personen auf.

Der Buchenhof in Worpswede.

Das ehemalige Haus vom Maler Hans am Ende. Der Buchenhof.

Haus im Schluh.

Wir machten noch einen kleinen Abstecher zum Haus im Schluh. Es sind drei Häuser, die wir vorfanden. Ein wunderschönes Fleckchen. Hier wohnte Heinrich von Vogelers Frau Martha nach der Trennung des Paares mit ihren 3 Kindern.

Wir waren nicht innen drin, aber diese Stimmung, gekrönt durch diesen Gottesdienst war einmalig. Es wirkte alles sehr friedlich und ruhig. Es gibt hier auch Ferienwohnungen. Eine entzückende Vorstellung hier mal zu übernachten.

Dieses Bild vom Gottesdienst erinnerte mich an das Gemälde  “ Gottesdienst im Moor“ vom Mitbegründer Fritz Mackensen, welches ich doch gerade noch gesehen habe.

Haus im Schluh in Worpswede.

Gottesdienst vor dem Haus im Schluh.

Zurück zum Zeltplatz.

An dem Parkplatz befand sich ein schöner Naturspielplatz im Schatten. Dort konnten sich die Jungs nach der ganzen Kultur schon etwas austoben, bevor sie auf dem Zeltplatz weiter aktiv sein konnten.

Die Straße “ Bauernreihe“.

Diese Straße wollten wir sehen, weil hier der ursprünglich Kern Worpswedes ist. 8 Bauern sollen hier sesshaft geworden sein und 7 Höfe sollen noch zu sehen sein. So steht es im Buch “ Spaziergänge in Worpswede “ von Jürgen Teumer.

Bauernreihe in Worpswede.

Bauernreihe.

Kaufhaus Stolte.

Hier nahm die Gründung der Künstlerkolonie ihren Anfang. Die Tochter Mimi der Familie Stolte hatte den Maler Fritz Mackensen in Düsseldorf kennengelernt, der darauf hin immer öfter Gast und schließlich Bewohner von Worpswede wurde.

Kaufhaus Stolte in Worpswede.

Kaufhaus Stolte.

Die Music Hall.

Dieses ist ein Gebäude, welches an der Hauptstraße liegt und nicht übersehen werden kann. Hier sollen viele Konzerte der unterschiedlichsten Musikrichtungen und Musikgrößen stattfinden. Es befindet sich im ehemaligen Festsaal des damaligen Hotel Stadt Bremen.

Music Hall in Worpswede.

Neben den ganzen Malern und Designern ist hier auch musikalische Kunst anzutreffen.

Zum Schluß musste ich noch unbedingt das untere Bild im Beitrag aufnehmen. Hier waren wir fast schon Stammgäste in der kurzen Zeit, die wir letztendlich in Worpswede waren. Da wir Falaffel-Fans sind, waren wir hier 3 mal essen. Das Essen war super und die freundlichen Leute taten ihr Übriges, damit wir gerne wieder kamen.

Edessa-Tuerkisches Schnellrestaurant in Worpswede.

Türkisches Schnellrestaurant. Hier hat es uns sehr gut gefallen.

 

Also, auch ohne besonderes Kunstverständnis oder Interesse ist Worpswede ein beeindruckendes Dorf, in dem man viele nette Dinge entdecken und bewundern kann.

Uns interessierte jetzt ja hauptsächlich die Geschichte mit ihren ersten Künstlern. Die Zeit ist aber in Worpswede nicht stehengeblieben, auch wenn es manchmal so scheint. Über 100 Künstler sollen dort heute ortsansässig sein. Einblicke in die zeitgenössische Kunst bekommt man unter anderem im Kunstzentrum Alte Molkerei. Das habe ich aber nur gelesen. ( „Spaziergänge in Worpswede“ von Jürgen Teumer).

Nachwirkungen.

Als krönenden Abschluß unseres Pfingsten in Worpswede schauten wir am Abend “ Paula- Mein Leben soll ein Fest sein.“. Ein deutscher Film von Christian Schwochow, der Ende letzten Jahres erschienen ist.

Besser hätten wir unsere Tour nicht abschließen könnten. Wir können den Film wirklich empfehlen. Tolle Schauspieler. Man bekommt noch einmal ganz andere Einblicke in das Leben der Paula- Modersohn- Becker und das Thema Frauen in der damaligen Zeit. Auch unsere Söhne durften den Film mit schauen. Sie waren nicht müde, weil sie das Stündchen im Auto für ein Schläfchen genutzt haben. Sie haben aber interessiert bis zum Ende geguckt, das will was heißen.

Gerade heute, als ich diesen Beitrag schrieb, verkleideten sich meine Jungs als Heinrich von Vogeler und Otto Modersohn und unser zu Hause war der Barkenhoff. Mein Mann und ich waren schon ziemlich überrascht, dass dieses Thema doch so “ hängengeblieben “ ist. Ist doch ein ordentliches Kontrastprogramm zum üblichen Star wars & co.- Theater.

Ich verlinke hier noch mal die Seite von Worpswede. Dort bekommt man wirklich einen sehr guten Überblick und viele Informationen über diesen Ort.

Und hättet ihr Lust dieses Künstlerdorf zu besuchen, oder hat euch der Beitrag eher abgeschreckt? Lasst es mich wissen und schreibt mir.

Oben erwähnte ich, dass wir ja dort gezeltet haben. Falls ihr Lust habt, gibt es im unten verlinkten Beitrag mehr Informationen dazu.

-Campingplatz im Teufelsmoor.

Passende Literatur gefällig?

-Reiseliteratur für Worpswede.

 

 

Nancy

Nancy

Hallo, ich bin die Hauptautorin in diesem, meinen Blog. Mit meiner Familie zusammen zu sein, ist für mich das schönste was es gibt. Am intensivsten ist es, wenn wir auf Reisen gehen und zusammen neue Dinge entdecken.
Nancy

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2 Kommentare

  1. Marlene sagt

    Hallo Nancy, ganz große Freude über Deinen Post!! Jetzt habe ich noch viel mehr aktuelle Informationen aus erster Hand über Worpswede, das ist ja immer gut. Was Paula Modersohn betrifft: Mit ihrer Kunst habe ich mich früher auch etwas schwergetan, man muss sich wirklich mit den Hintergründen beschäftigen. Aber dann…

    • Ja, dann steht doch ein Besuch von Worpswede nichts mehr im Wege, oder? Die Ausstellung“ Paulas Worpswede“ beginnt jetzt am 25.06.bis November. Das wäre doch bestimmt etwas.😊

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